Die Vorsitzende des Vereins, Monika Hoffmann kann stolz auf 20 Jahre erfolgreiche Arbeit in Gera zurück blicken.
Der Verein ist Träger des Frauenhauses, der Frauenberatungsstelle und seit 01.01.2009 auch der Interventionsstelle für das Gebiet von Altenburg bis Lobenstein bis Rudolstadt.
Lesen Sie dazu die Artikel aus der OZT vom 22.02.2010
20 Jahre "Hilfe für Frauen in Not e.V" in Gera
Allgemein
OTZ - Montag, 22.02.2010
Erst einmal zu sich selbst finden
Seit 20 Jahren bietet Verein "Hilfe für Frauen in Not" individuelle Beratung und Betreuung
Von OTZ-Redakteurin Constanze Alt Gera. Jede vierte Deutsche erleidet laut einer Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mindestens einmal gewaltsame körperliche und/ oder sexuelle Übergriffe innerhalb einer Partnerschaft. Jeden Tag stirbt in Deutschland eine Frau an den Folgen häuslicher Gewalt. Eine erhöhte Gefahr, Opfer schwerer Gewalttaten durch den Partner zu werden, besteht in Trennungssituationen.
Dass hinter den Ergebnissen unpersönlicher Statistiken persönliche Schiksalskonstellationen stecken, das wissen die Mitarbeiterinnen des in Gera ansässigen Vereins "Hilfe für Frauen in Not e.V." Sie wissen auch: Der Tod ist der schlimmste aller möglichen Fälle, die am Ende einer Opfer-Karriere stehen.
"In den meisten Fällen", weiß Vereinsvorsitzende Monika Hofmann, eine Rechtsanwältin, "sieht man Männern, die ihre Frauen misshandeln, äußerlich überhaupt nichts an." Dass häusliche Gewalt kein schicht- und milieuspezifisches Problem ist, wissen auch Kathrin Nordhaus und Uta Künhold. Als Mitarbeiterin der zum Verein gehörenden Interventionsstelle ist die Sozialpädagogin Ansprechpartnerin für Opfer häuslicher Gewalt im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektionen Gera und Saalfeld - "also von Altenburg bis Sonneberg". Mit insgesamt 196 Fällen von häuslicher Gewalt und von Stalking ist die Interventionsstelle 2009 befasst gewesen. Dass 185 der Opfer Frauen, aber nur 11 Männer waren, zeigt, dass insbesondere Frauen von häuslicher Gewalt betroffen sind.
"Im vergangenen Jahr haben 53 Frauen mit insgesamt 48 Kindern im Frauenhaus Zuflucht gesucht", erinnert sich Uta Künhold, die außerdem für die Frauenberatungsstelle zuständig ist. Frauenhaus und Frauennotruf waren auch die ersten Projekte des im September 1990 gegründeten Vereins gewesen. "Das Frauenhaus ist eine Zufluchtsstelle für von Gewalt bedrohte Frauen und deren Kinder", sagt die Sozialpädagogin. Hier können Gewaltopfer sich erst einmal erholen, zu sich selbst finden; sich überlegen, was sie eigentlich wollen. Später wurde die Frauenberatungsstelle installiert. Zum einen sollen hier Frauen im Anschluss an eine Unterbringung im Frauenhaus eine weiterführende Lebenshilfe erhalten können. Zum anderen: "Es gibt viele Frauen, die von Gewalt betroffen sind, aber nicht in ein Frauenhaus möchten", erklärt Künhold. Diese erhalten hier individuelle Hilfe; gemeinsam wird überlegt, was die Frau tun kann, um sich und ihre Kinder bestmöglich in Sicherheit bringen zu können.
"Auch die Kinder geraten in ganz spezielle Situationen, wenn sie Zeugen häuslicher Gewalt werden", betont Sozialpädagogin Nordhaus. Ein Kind, das sieht, wie der Papa die Mama verprügelt, habe vieles zu verkraften. Nicht zuletzt gelte es auch, Fragen des Umgangsrechts zu klären. "Nur" weil die Partnerin im Frauenhaus sei, verliere ein Mann nicht automatisch das Recht, seine Kinder zu sehen. Weil gewalttätige Männer Besuchstermine beim Nachwuchs nicht selten dafür nutzen, ihre Partnerinnen erneut zu schlagen, gelte es hier, über Alternativen nachzudenken. Etwa den betreuten Umgang im Jugendamt.
So gefährlich die Situation der Trennung auch sein mag: Die Frauen, die sich zu einem konsequenten Schlussstrich unter die quälende Partnerschaft entschließen, sind auf einem guten Weg - so die drei Vereinsfrauen unisono. Denn geprügelte Frauen schweigen nicht selten eine lange Zeit über ihr Martyrium. Oft aus Scham, aus einem falschen Verständnis angeblicher Liebe, aus der Hoffnung auf Besserung - oder schlichtweg aus Angst. Nicht selten nämlich droht der Mann, die Frau im Fall einer Trennung umzubringen. Hofmann erinnert sich an den Fall einer Frau, die über dreißig Jahre von ihrem Mann Gewalt erfahren hatte: "Durchschnittlich einmal pro Jahr hat er sie krankenhausreif geschlagen", so die Anwältin.
"Es gibt immer Wege aus der häuslichen Gewalt. Scheuen Sie sich nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen", so das Credo des anonym und kostenlos beratenden Vereins. Die Mitarbeiterinnen wissen: Bei Nacht und Nebel zu fliehen, wie es die brenzlichen Situationen oft bedürfen, das sei viel verlangt. Viele fühlten sich zudem abgeschreckt durch die Aussicht darauf, das Erlebte im Laufe - sich oft über Jahre hinziehender Gerichtsverfahren - immer und immer wieder erzählen zu sollen. Wer jahrelang psychisch erniedrigt würde, der hätte nur noch ein geringes Selbstbewusstsein. In diesem Zusammenhang erinnert sich Neuhaus an einen Arzt, der seine Frau wieder und wieder misshandelt hatte. Seine Einschüchterungstaktik: "Dir glaubt das eh keiner. Wenn du was erzählst, lasse ich dich einweisen."
Anlässlich seines 20-jährigen Bestehens lädt der Verein "Hilfe für Frauen in Not" ab 24. März zu einer Reihe von Projekten ein. Die Abschlussveranstaltung ist für den 25. November, den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, geplant.
>> www.interventionsstelle-gesa.de >> www.frauenhaus-gera.de >> www.bmfsfj.de
22.02.2010
OTZ - OSTTHÜRINGER Zeitung Verlag GmbH & Co. KG
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