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Wir mischen uns ein.

Das kommende Grundsatzprogramm wird das Programm der jungen Generation sein, deshalb soll es auch Antworten geben auf die besondere Lage junger Frauen heute. Anders als ihre Müttergeneration kämpfen wir junge Frauen heute mit widersprüchlichen Rollenerwartungen, wie sie in den jüngsten medialen Auseinandersetzungen schöner nicht hätten deutlich werden können:

Als Cappuccinoluder bezeichnet BILD nicht-erwerbstätige Mütter. Moderatorin Eva Herman hingegen beklagt, dass Karrierefrauen gegen die naturgegebene Ordnung handeln, andere beschimpfen Frauen, sie sich selbst verwirklichen wollen, gar als Gebärverweigerinnen.

Fakt ist: Junge Frauen haben in Sachen Bildung kräftig aufgeholt. Doch noch immer, ist es nicht möglich diese Qualifikationen auch gewinnbringend im Arbeitmarkt umzusetzen. Frauen sind stärker von Arbeitslosigkeit bedroht, die Lohnkluft wächst und Frauen haben ein höheres Armutsrisiko als Männer! Unverändert liegt die Hauptverantwortung für die Sorgearbeit bei Frauen. Mangelnde öffentliche Kinderbetreuung und fehlende Angebote für hilfebedürftige alte Menschen werden auch zukünftig das Problem bestehen lassen. Solange Männer diese Arbeiten nicht ebenfalls mittragen, bleiben Frauen die Leidtragenden mangelnder öffentlicher sozialer Dienstleistungen.

Gleichzeitig sollen Frauen erfolgreich sein und dabei noch sexy aussehen. Schließlich haben es andere Frauen ja auch geschafft. Damit ist klar, wer Kind(er) und Karriere nicht zu vereinen vermag, ist selbst schuld.

Wir junge Frauen fordern daher, die Übernahme von Sorgearbeit durch die öffentliche Hand und eine stärkere (verpflichtende) Einbringung der Männer in die Sorgearbeit. Dazu gehört eine veränderte Vorstellung über die öffentliche Kinderbetreuung (Bildung statt Betreuung) ebenso wie eine Ausweitung öffentlicher Angebote zur Unterstützung hilfebedürftiger älterer MitbürgerInnen.

Hier eröffnet sich ein neuer Beschäftigungssektor, der mit einer Reorganisation des Berufsbildes „Erziehung“ und „Pflege“ verbunden sein sollte. Eine Aufwertung dieser Tätigkeiten ist zentral, um die geschlechtliche Segregation dieser Arbeiten (beruflich und privat) zu überwinden. Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten müssen uns darüber hinaus für eine Gesellschaft einsetzen, in der vielfältige männliche und weibliche Lebensentwürfe – auch jenseits der heterosexuellen Norm – gleich gestellt nebeneinander existieren können. Dazu sollten alle politischen Maßnahmen dahingehend überprüft werden, ob sie nur ein Lebensmodell (z.B. Ernährermodell, Ehe) stützen.

Um Gleichstellung zu verwirklichen wird es nicht reichen, Ansprüche rechtlich zu sichern. Es bedarf vielmehr der radikalen Reorganisation der institutionellen Gestalt des Arbeitsmarktes. Dabei müssen die staatlichen Eingriffsmöglichkeiten dringend stärker genutzt werden, z.B. um die allgemeine Arbeitszeit zu senken oder mit Mindestlöhnen weibliche Armutslöhne zu verhindern etc. Es muss endlich gelingen, die Probleme der Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht mehr als individuelles, weibliches, sondern als Problem für die Gesellschaft zu begreifen!

 
 

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