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ASF Thüringen

SPD Parlamentarierinnenpreis für Helga Wilfroth

Allgemein

Katrin Fischer, Regine Kanis, Helga Wilfroth, Iris Gleicke und Heike Taubert

Laudatio von Petra Heß

Sehr geehrte Damen und Herren,

auch im Jahr 2013 - in dem unsere SPD ihren 150. Geburtstag feiert - stiften die Thüringer SPD-Parlamentarierinnen wieder den 1997 eingeführten Thüringer Frauenpreis. Der Preis "Von Frauen für Frauen", wird an Frauen verliehen, die besonders mutige oder herausragende Beiträge zur Gleichstellung von Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft vorangetrieben haben. Es ist gut, dass sich dieser Preis etabliert hat, der, dies füge ich hier hinzu, in einer nach wie vor von Männern dominierten Welt seine Notwendigkeit in absehbarer Zeit noch nicht verloren haben wird.
Zwar hat sich die Rolle der Frau in den letzten Jahrzehnten gründlich verändert.
Das berühmte „katholische Mädchen vom Lande“ mit seiner Zuständigkeit nur für die drei K’s – Kinder, Küche, Kirche – gibt es heute zum Glück so gut wie nicht mehr. Dafür gibt es heute immer mehr Frauen wie unsere Preisträgerin, Frauen, die es gewohnt sind, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist, Familie, Beruf und Ehrenamt unter einen Hut zu bringen. Das Engagement einer Frau also, die in ihrer Freizeit ehrenamtlich tätig ist, ist ungleich höher zu bewerten als das unserer männlichen Pendants, dies muss mir bei dieser Veranstaltung zu sagen gestattet sein.
Soziales Engagement ist das, worauf unser Gemeinwesen dringend angewiesen ist. Wenn es von Frauen, noch dazu in so großartiger Weise wie von unserer diesjährigen Preisträgerin sowie allen für den Preis vorgeschlagenen Frauen geleistet wird, so ist dieser Preis eine Mindestanforderung hinsichtlich der Anerkennung, die wir, die die Gesellschaft ihnen schuldig ist.
Ich freue mich, dass die Parlamentarierinnen der SPD mit Helga Wilfroth auch in diesem Jahr wieder eine so hervorragende Wahl getroffen haben.

„Eine Frau ist ein Wesen, das sich selbst gefunden hat“, sagte einst der französische Schriftsteller Jean Giraudoux.
Ich ergänze: Helga Wilfroth hat sich selbst gefunden!
Körperlich klein, ist sie ein geistiges Kraftpaket: Sie ist stark, konsequent, zielstrebig, authentisch, liebevoll und immer bei den Menschen.
Helga Wilfroth ist eine engagierte Bürgerin, eine publizistisch arbeitende Kunstwissenschaftlerin und eine erfolgreiche Sportlerin.
Nachdem sie im April 2010 in den Ruhestand verabschiedet wurde, beschäftigt sie sich nun ehrenamtlich mit der in Gotha geborenen und hier aufgewachsenen Künstlerin Hannah Höch.

In den letzten 20 Jahren ist es Helga Wilfroths Wirken zu verdanken, dass die Graphikerin und Collagekünstlerin Hannah Höch, Pionierin des Dadaismus, obwohl international längst bekannt und fest in der Kunstgeschichte verankert, nunmehr auch in Thüringen und in ihrer Heimatstadt Gotha gewürdigt wird.
Die Errichtung eines Hannah-Höch-Kabinetts innerhalb des Schlossmuseums der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, die wissenschaftliche Erforschung ihres künstlerischen Werkes sowie ihrer Veröffentlichungen und Publikationen, das Zustandekommen erfolgreicher Zustiftungen aus dem Nachlass der großen Künstlerin – all das wäre ohne das Wirken von Helga Wilfroth undenkbar, ja nicht möglich gewesen.
Diese Leistung und das Engagement würdigt auch das Hannah-Höch-Archiv auf seiner Internetseite.
Immer wieder galt Helga Wilfroths Interesse der Kunst von Frauen (ohne sich jedoch darauf zu beschränken). Die Wiederentdeckung der Bauhaus-Künstlerin Marianne Brandt, deren Entwürfe und Originalarbeiten in einer großen Sonderausstellung zum Bauhausjubiläum mit dem Titel „Modern aber nicht modisch“ gipfelte, war ein folgerichtiger Schritt, die Kunst von Frauen und das Leben als Künstlerin im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext zu erforschen, für die Öffentlichkeit im Rahmen von Ausstellungen darzustellen und zu publizieren.
Neben den oben genannten Künstlerinnen beschäftigt sich H. Wilfroth mit Künstlerinnen, deren Wirken noch in die Gegenwart reicht - so zum Beispiel mit Elisabeth Weidemann aus Bad Langensalza.
Helga Wilfroths Engagement endet nicht bei ihrer kunstwissenschaftlichen Tätigkeit und der Organisation von Ausstellungen Tätigkeit. Sie ist eine engagierte Bürgerin, die sich öffentlich und sehr deutlich gegen Rechtsextremismus positioniert – so ist sie Unterzeichnerin des Appells gegen Rechtsextremismus.
Helga Wifroth ist – wie bereits erwähnt – auch sportlich erfolgreich aktiv. Seit 20 Jahren ist sie im Gothaer Schwimmverein, der stolz ist, sie in seinen Reihen zu haben, denn Frau Wilfroth wurde in ihrer Altersklasse mehrfach Deutsche und Thüringer Meisterin im Behindertenschwimmsport.
Ich muss sagen: Dass die Wahl der Jury auf Helga Wilfroth gefallen ist, hat mich persönlich sehr gefreut.
Hannah Höch schrieb einst in ihr Tagebuch:
"Ich will die Mannigfaltigkeit des Lebens preisen mit meiner Arbeit, die Schönheit auch“ Ihnen, liebe Frau Wilfroth, ist dies ebenso gelungen wie der großen Künstlerin, die Sie uns allen in so wunderbarer Weise nahegebracht haben!
Dafür und für Ihr gesamtes ganzes Wirken danke ich Ihnen von Herzen!
Ich weiß, eine Auszeichnung wie die heutige, war nicht die Motivation Ihres Handelns, und Sie bedürfen unseres Lobes nicht, um in ihrer gemeinnützigen Arbeit fortzufahren. Dennoch, und das ist der Sinn unserer heutigen Verleihung, muss einmal zum Ausdruck gebracht werden, dass Ihr Engagement – auch wenn es von Ihnen so aufgefasst wird – keineswegs selbstverständlich ist. Sie haben über Jahre hinweg Zeichen gesetzt und sich damit um unsere Gesellschaft verdient gemacht.
Es wurde darum Zeit für eine öffentliche Anerkennung, zu dem uns der Thüringer Frauenpreis ein wunderbares Instrument an die Hand gibt.
Liebe Frau Wilfroth: Ich gratuliere Ihnen ganz herzlich zu diesem Preis und wünsche Ihnen, vor allem aber uns - der Gemeinschaft -, die wir so sehr von Ihrer Arbeit profitieren, dass Ihr Elan auch in Zukunft ungebrochen bleiben möge!
Auch ich stecke voll und ganz im Ehrenamt – deshalb bedauere ich ganz ausdrücklich, dass ich in dieser würdigen Stunde nicht persönlich meine Worte an Sie richten konnte. Sie sehen’s mir aber bitte nach, dass in diesen Wochen für mich Wahlkampftermine ganz oben an stehen. Frauen müssen eben immer ein bisschen mehr kämpfen, um an’s Ziel zu kommen. Ich freue mich aber umso mehr auf eine unserer nächsten Begegnungen.
Liebe Sozialdemokratischen Frauen der Jury – danke für eure engagierte Arbeit und danke für die gute Wahl.

Herzlichst
eure
Petra Heß

 
 
 

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